„Der Mäusegittermann" - Kriminalfälle mit Kommissar Ulf Hornung - „Die uniformierten Jahre des Ulf Hornung" - aus der Biographie eines von seinem Beruf begeisterten Polizisten - „Bodos ziemlich wahre Schmunzelgeschichten" - direkte Einblicke in so manche alltägliche Ereignisse - Bodo Doering Leseproben Zwischen vorgestern und morgen" - Kommissar Ulf Hornung und sein „Fall Ruhestand" - die Kollegen aus dem Nachbarzimmer protestierten laut.  Mannheimer, Becher und Ulf eilten hinüber. Zumindest  Mannheimer beherrschte glänzend seine Mimik und fragte  mit unschuldiger Miene nach dem Anlass des erhobenen  Protests. Eigentlich wollte er aber sehen, ob und wie weit  der Nagel in dem benachbarten Büro aus der Wand  schaute. Die beiden Kollegen dort deuteten, noch  sprachlos ob dieser an sich rüden Vorgehensweise, zur  frisch tapezierten Wand, aus der deutlich ungefähr sechs  oder sieben Zentimeter des Zimmermannsnagels ragten  Auszug aus: „Dann vielleicht als Frau" ... Der zierlichen und überaus hübschen Spielerbraut  erging es gleichermaßen. Sie hatte sich neben Ulf  gestellt, hielt ihre Bons parat und wartete ebenfalls.  Beide sahen sie den Männern am Grill zu und  bewunderten deren umsichtiges Hantieren.      Ulf schaute jetzt zu der kleinen Hübschen an seiner Seite.  Sie gefiel ihm. Sind doch Frauen überhaupt und seiner  Empfindung nach das Schönste, was der liebe Gott je  geschaffen hat. Sie bemerkte seine Blicke und sah ihn  erwartungsvoll an, hoffte vielleicht, er wäre Kavalier und  ließe ihr den Vortritt.     DOERING VERLAG  -  Bodo Doering  -  Ringstraße 1  -  69488 Birkenau  -  Telefon: 06201-32094  -  Telefax: 06201-874288  -  mail@bodo-doering.de „Also, wenn ich wieder auf die Welt komme", begann Ulf  und schaute die Spielerbraut an, „dann möchte ich auch  eine Frau sein!      Erstaunt blickte die Schöne zu ihm auf, fixierte ihn kurz  und fragte: „Warum wollen Sie denn eine Frau werden?"      „Na, ich möchte auch schön sein!", womit er ihr seiner  Meinung nach indirekt ein Kompliment machte.      „Das kann aber gewaltig schiefgehen", entgegnete sie  in bestimmtem Ton und sah wieder nach den  Grillmeistern.    „Wie meinen Sie das denn mit dem Schiefgehen?"     Auszug aus  „Bei den Brandermittlern" ... Mannheimer gingen plötzlich die Nägel aus, und nur noch  ein Kalender sollte seinen Platz an der Wand zum  Nachbarraum erhalten, in dem die Staatsschützer  untergebracht waren.         Kollege Becher bot an, noch einen Nagel ausfindig zu  machen und holte aus seinem Schreibtisch einen  Zimmermannsnagel in der Länge und Stärke eines normalen  Bleistiftes zum Vorschein. Ohne eine Miene zu verziehen,  ergriff Mannheimer den Nagel und trieb ihn mit heftigem  Hammerschlag in die Behelfswand aus Pappe -   Auszug aus „Der Kampf"  Immer noch schlurfend näherte sich Gerda Junker von  hinten her Wolfgang Frick, der unbeirrt und konzentriert am  Schreiben war. Ihre rechte Hand schob sich langsam vor,  und die aufgebogene Büroklammer berührte fast Fricks  Ohr, als schon das deutlich vernehmbare Geräusch des  überspringenden Funkens zu hören war.      Wie viele Male schon hatte sie Frick mit dieser Methode  geneckt, erfolglos, doch heute kam es anders.      Mit einem Schrei und dem Griff zum rechten Ohr sprang  Frick vom Stuhl auf und drehte sich zu Gerda. „Ich hab dich  gewarnt", schrie Wolfgang Frick, „es ist mir jetzt egal, ob du eine Frau bist!", und er stürzte sich auf Gerda, um sie in  den Schwitzkasten zu nehmen.    Gerda versuchte sofort, ihre Judo-Schulung einzusetzen,  und wich Wolfgang zunächst aus, doch der erwischte  Gerdas Arm und versuchte den Polizeigriff „Komm mit"  anzuwenden.      Aus dieser Absicht wurde nicht viel, zumal Gerda einen  halben Kopf größer war als Frick und optisch auch ein paar  Kilo schwerer. Frick war in Rage, und obwohl er eigentlich  nicht wusste, was er eventuell Gerda antun könnte,  erwischte er ihre Taille, umschlang sie und versuchte   Gerda auszuhebeln und zu Boden zu drücken.      Der Kampf lief nicht geräuschlos ab, und es dauerte  nicht lange, bis sämtliche Kriminalisten einschließlich des  Chefs der Auseinandersetzung beiwohnten und ihr Lachen  nicht mehr zurückhalten konnten.      Gerda schien in Gedanken ihre erlernten Judogriffe zu  sortieren und zischte etwas gepresst ob der  Anstrengungen ein „harai-goshi" zwischen den Zähnen  hervor, um alsbald etwas von „kata-goruma" zu murmeln.  Schließlich stieß sie ein „o-soto-seoi-otoshi" hervor, was  immer dies heißen oder bedeuten sollte.      Gerda und Wolfgang lagen nun am Boden und drehten  und drückten sich die Arme zur Seite, rutschten ab und  griffen erneut zu, wobei einmal Wolfgang zuunterst am  Boden lag und das andere Mal Gerda oben - sie keuchten  schwer vor Anstrengung.       Dass Gerda bei diesem Kampf nicht dem Anlass  entsprechend gekleidet war, störte sie nicht im Geringsten.    Ihr rotes Kleid war nach oben gerutscht und gab den  Blick auf ihre wohlgeformten Schenkel frei, die sich gerade  um die von Frick schlangen und  Auszug aus „Der Mäusegittermann" die ältere Dame wunderte sich über die Zugluft, die sie  spürte, als sie wie jeden Morgen ihr Schlafzimmer im  ersten Stock verließ und die Treppe in das Erdgeschoss  ihres Einfamilienhauses hinunterging.      Beim Betreten ihrer Küche entdeckte sie mehrere offene  Schubladen ihres Küchenschrankes, und - wiederum  verwundert - schüttelte sie den Kopf. Da schlug eine Tür!      Sie ging zum Flur und schloss die Kellertür, die sie - da  war sie sich fast sicher - am Abend zuvor richtig  zugedrückt hatte.    Als sie ihr Wohn- und Esszimmer betreten wollte,  versuchte sie zunächst vergebens die Tür zu öffnen. Die  alte Dame drückte und schaffte es, den schweren Stuhl,  der direkt hinter der Tür stand, weg zu schieben. Nun sah  sie die offen stehende Terrassentür, und diese hatte sie  mit Sicherheit am vorangegangenen Abend geschlossen.  Langsam wandte sie sich dem großen und ausladenden  Wohnzimmerschrank zu  Auszug aus „Immer dienstags" als drei junge Damen sich im Lorscher Waldschwimmbad  trafen und ihr Lager am Rand der Liegewiese zum Waldrand  hin aufschlugen. Sie hatten zuvor ihre Bahnen  geschwommen und lagen nun in der Sonne, um sich zu  bräunen.         Es war früher Nachmittag, die Zeit, zu der sich das Bad  langsam zu füllen begann.      „Pssst!"      -       „Pssst!"    Eine der drei jungen Frauen hob ihren Kopf, schaute zu  ihren Begleiterinnen, um zu sehen, von welcher das „Pssst"  kam. Doch beide lagen bäuchlings auf ihren Decken und  schienen zu dösen.       „Pssst!" Da war es schon wieder…    -    „Pssst!" Jetzt setzte sich die junge Frau auf, schaute in die Richtung,  aus der das Geräusch zu kommen schien und sah hinter  dem hohen Maschendrahtzaun, nur wenige Meter entfernt,  am Waldrand einen Mann stehen. Er grinste sie an.      Da bemerkte sie, dass er seine Hose halb  heruntergelassen hatte und sein Geschlechtsteil zeigte, an  dem er eilig herumhantierte.      Die junge Frau erschrak heftig, stieß ihre Nachbarin an,  die sie zunächst nur fragend anschaute, dann aber auch  den Mann entdeckte.    Auch die dritte junge Frau sah nun, wie der Mann am  Waldrand in Ekstase geriet. Das war zu viel...   Auszug aus „Polizeilicher Eignungstest"  Der Arzt, der bislang in den Bewerbungsunterlagen  geblättert hatte, drehte sich auf seinem hölzernen  Drehsessel zu Ulf und musterte ihn kurz.      „Sie wollen Polizist werden?“      „Ja“.     „Na ja, Sie sind zwar erst 18 Jahre alt, aber von der  Statur her durchaus akzeptabel. Dann wollen wir mal sehen.  Wir werden Sie jetzt von Kopf bis Fuß untersuchen. Es  werden nur ganz gesunde Männer eingestellt“. Dann ging es  los.    Wie groß er in Meter sei, wurde er gefragt, mit der  beiläufigen Bemerkung, dass er ja erkennbar deutlich  größer als einen Meteracht und sechzig sei, darunter könne  nämlich niemand eingestellt werden.      „Mund bitte auf“, der Arzt leuchtete hinein und untersuchte  das Gebiss.    „Glück gehabt“, meinte er, „eine Plombe im Zahn mehr  und es wäre schon aus gewesen. Zwei ordentlich plombierte  Zähne, mehr geht nicht“.       Danach erfolgte der Hör-Test. Immer leiser nannte der Arzt  Zahlen, die Ulf zuerst mit dem einen, dann mit dem  anderen, nicht bedeckten Ohr zu verstehen und zu  benennen hatte – geschafft...     „Wissen Sie, was Liegestützen ist?“ Der Dunkelhaarige  fragte. Ulf bejahte und durfte gleich damit anfangen. Er  schaffte mehrere, was ein zustimmendes Nicken  hervorrief.      „Jetzt üben ‚wir‘ Kniebeugen“. Ulf solle so viele wie  möglich machen.    Er begann aber nur alleine, und es klappte ganz  ordentlich, seiner Meinung nach. Er müsse nur tiefer in  die Hocke gehen, meinte der Dunkelhaarige, und auf  einmal meldete sich nach weiteren Übungen bei ihm ein  immer unangenehmer werdendes Ziehen in den  Oberschenkeln.      Sie mussten wohl sein Unbehagen bemerkt haben und  erlösten ihn, um danach sofort an seinem Arm eine  Manschette anzulegen – Blutdruckmessung – auch  dieses Ergebnis war in Ordnung.      Was wollte man denn noch von ihm, dachte sich Ulf  und wurde prompt weiterer Fragen enthoben.      „Ziehen sie mal Ihre Vorhaut zurück“...   Auszug aus „Verlorene Söhne" ...während die Feuerwehr an der Unfallstelle mit den  Aufräum- und Säuberungsarbeiten begann, fuhren Ulf und  Franz Kron zur Wormser Klinik.    Im OP angekommen, bohrte gerade der Chirurg einen  Metallstab durch die Ferse des Verletzten und richtete  dann das Bein in einem Streckgestell. Die dabeistehenden  Beamten bat er einen Moment zu warten.      Nachdem der Patient versorgt war, ging der Arzt mit den  Beamten in einen größeren Nebenraum mit Seziertisch  und sechs angrenzenden Kabinen, durch Vorhänge  abgeteilt. Er zog nacheinander drei Vorhänge auf.      „Nichts mehr zu machen, bei den Dreien." Der Arzt  deutete resigniert in die Richtung der aufgebahrten  Leichen. „Die dürften bereits an der Unfallstelle verstorben  sein. - Sie wollen noch eine Blutprobe vom Fahrer?"         Franz Kron nickte. Eine Schwester kam mit einem  Skalpell, während Kron ein Vakuumröhrchen aus seiner  Aktentasche kramte und es dem Arzt reichte. Der öffnete  eine Oberschenkelvene und ließ das Blut in das Röhrchen  fließen.     Gerade als Ulf und Franz damit fertig waren, von den  Leichnamen die persönlichen Gegenstände und die  Wertsachen abzunehmen, wurden Stimmen laut.     Die Schwester eilte wieder herbei und konnte gerade  noch rechtzeitig zwei der Kabinenvorhänge schließen,  bevor ein älteres Ehepaar, völlig aufgelöst, den Raum  betrat. Sie erkannten in der ersten Kabine ihren toten  Sohn. Schreiend warfen sie sich über den Toten. Mit  Mühe nahmen sie zur Kenntnis, dass ein weiterer Sohn  auf dem Weg in die Universitäts-Klinik nach Mainz sei.      Die alten Leute weinten, jammerten und beklagten ihr  totes Kind.    Ulf und Franz zogen sich langsam zurück. Sie hatten  in dieser Nacht selbst genug erlebt und waren erschöpft.  Sie brachten es nicht mehr fertig, den verzweifelten  Eltern zu sagen, dass nebenan, nur durch Vorhänge  getrennt, zwei weitere tote Söhne lagen.      Die beiden Polizisten hatten soeben die Rheinbrücke  passiert, um zurück nach Heppenheim zu fahren, und  gerade die Ortschaft Rosengarten durchfahren, da ließ  sich erneut Haukes Stimme aus dem Funkgerät  vernehmen  Auszug aus „Stress ums Handy" ... und der Heimweg stand an. Beim Einsteigen wurden  die alten Herrschaften getrennt, er zu mir nach vorne, sie  nach hinten auf die Frauenbank.      Meinem Jackett, das ich in den Kofferraum ablegte,  entnahm ich mein Handy und überreichte es meiner Frau  mit der Bitte, es aufzubewahren. Von ihr unbemerkt  beobachtete ich genau, wie sie es, bereits im Auto  sitzend, in die neben ihr stehende Handtasche gleiten  ließ.    Zu Hause, bei Oma und Opa, angekommen, verließen  die alten Herrschaften das Auto. Meine Frau räumte  gleich um, legte ihre Utensilien in den vorderen  Beifahrerbereich, da wir alsbald weiterfahren wollten.  Hierbei gab sie mir deutlich zu verstehen, sie wolle auch  gleich mal nach dem Handy sehen, das sie sicher  verwahrt in ihrer Handtasche wusste. Offenkundig  beabsichtigte sie, ihre sprichwörtliche Zuverlässigkeit in  Bezug auf das Vormittagserlebnis wieder aufpolierend,  mich zu necken.    Ich hatte es gehört.    Sie kramte. Und auf einmal kramte sie schneller, so  dass ich aufmerksam wurde. Sie kramte inzwischen  hastig - und kurzerhand stülpte sie ihre Tasche mit allem  Inhalt in den Fußraum des Autos. –    Das Handy war weg!      Während sie weiter sortierte, bewahrte ich meine Ruhe  in der Gewissheit, genau gesehen zu haben, wie das  Gerät in die Handtasche geglitten war. –      Das Handy ist weg!    Gelassen griff ich unter die Sitze, denn nur dorthin  konnte es gerutscht sein - aber - kein Handy.    Ur-Opa, dem Ganzen frierend zuschauend fragte, was  wir eigentlich suchten?      „Handy? Was für ein Handy?" –      „Unser Handy, Opa." –    Jetzt legte ich mich längs auf die Rückbank und  streckte ganze Armlängen in die Sitzunter-, -neben- und  -seitenbereiche. - wieder kein Handy....     Auszug aus „Stress ums Handy" ... ...Schon vor zwei, drei Jahren bemerkte ich, dass ich den  einen oder anderen Kollegen, bekannt seit Jahrzehnten,  entgegen kommen sah und damit begann, mein Gehirn  krampfhaft nach seinem Namen zu durchsuchen. Man  begann halt ein Gespräch und mittendrin kam es, genau.  Jetzt war ich wieder fit. „Genau, Stefan, so machen wir  das!" Ich war wieder einmal stolz auf mich, niemand hatte  etwas gemerkt.    Dann schlug es ein. Einer wichtigen Absprache wegen  suchte mich im Büro einer meiner früheren engen  Mitarbeiter auf, der einen eigenen Bereich übernommen  hatte. Mit Unterlagen versehen nahmen wir einander  gegenübersitzend Platz.      „Ich begrüße dich,...", und er nannte meinen Vornamen.       „Auch ich wünsche dir einen schönen Tag...", und genau  in diesem Moment war sein Vorname weg. Geistesschnell  ergänzte ich etwas forsch „... mein Lieber!"      Ich war mit mir in diesem Moment zufrieden, und wir  stiegen in die Materie ein.      Dann passierte es wieder. Gerade wollte ich ihn  persönlich mit seinem Vornamen ansprechen als dieser  wieder wegblieb.    Mein Gegenüber sah mich an. Ich merkte sofort, er  hatte es spitz bekommen, dass ich seinen Vornamen  nicht parat hatte. „Ja?", und er nannte nett und freundlich meinen  Vornamen dazu, „ja?" Er wollte jetzt gar nicht mehr so  dringend den Themenverlauf weiter erörtern. Ihm lag  offensichtlich und amüsiert daran, seinen älteren  Kollegen in Nöten zu erleben. Und ich konnte diesmal  auch nicht ausweichen.  „Verstehst du, lieber...", und inständig hoffte ich, dass  sofort sein Namen folge - doch diesmal nicht. „Ja?",  fragte er wieder, und ich sah, wie sich seine  Augenbrauen hoben und sein mir nur zu gut  bekanntes unverschämte Grinsen sich auf seinem  Gesicht breit machte. „Ja?", fragte er erneut. Und dann verstärkte sich sein  Grinsen, und er begann Vorschläge zu machen:  „Friedrich?"   Er wartete, grinste weiter und schlug vor: „Johann? -  Oder wie wäre es mit Schorsch?" Ich dachte  krampfhaft nach...